Die Geschichte des 15. Bezirkes

Ziegelböhm um 1900
Ziegelböhm Bild: Bezirksmuseum Favoriten

Die Geschichte des 15. Bezirkes, Rudolfsheim-Fünfhaus.

Rudolfsheim – Fünfhaus
Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Im Gebiet des heutigen 15. Gemeindebezirkes waren früher fünf Dörfer.

Fünfhaus: Der Name Fünfhaus geht auf fünf Winzerhäuser zurück, die um 1700 im Bereich der heutigen Clementinengasse entstanden. Im Jahr 1822 zählte die Ansiedlung 119 Häuser. Im Vormärz siedelte sich Industrie in Fünfhaus an. Drei Betriebe sind besonders zu erwähnen: * die Oesterleinische Gewehrfabrik, * das Brauhaus (von Christoph Oesterlein erbaut) – heute steht hier das Amtshaus und * die englische Imperial-Continental-Gas-Association. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte Fünfhaus zu den vornehmsten Vororten. Das lässt sich noch heute anhand der sehenswerten, alten Bausubstanz nachvollziehen.

Sechshaus: Im 18. Jahrhundert entstand südlich der heutigen Sechshauser Straße eine Zeile von sechs Häusern. Diese gab der Vorortgemeinde ihren Namen.

Braunhirschen: 1696 erwarb Josef Christoph von Plankenau ein Areal. Dort errichtete er ein schlossartiges Landhaus mit ausgedehntem Park. 1795 setzte sich die Ortsbezeichnung Braunhirschen durch. Sie bezieht sich auf das seit 1754 hier ansäßige Wirtshaus „Zum braunen Hirschen“. 1799 kaufte Franz Dadler den Besitz. Durch Parzellierung erhöhte er die Bautätigkeit – deshalb gilt er als eigentlicher Begründer von Braunhirschen. Während des Vormärz siedelten sich neben der Industrie auch Handwerk und Gewerbe hier an.

Reindorf: Dieses Gebiet wurde bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts unter dem Namen „In der Rein“ urkundlich erwähnt. Der Name Reindorf läßt sich erstmals im Jahr 1411 belegen. Im Mittelalter schwand die Bedeutung des Dorfes. Erst im 18. Jahrhundert blüht die Siedlung nördlich der heutigen Sechshauser Straße wieder auf.

Rustendorf: Die Siedlung lag an der heutigen Mariahilfer Straße. Trotz geringer Häuseranzahl war sie wohlhabend, da sie zahlreiche Einkehrgasthöfe beheimatete. Bereits um 1700 entstanden hier die ersten Unterkünfte für Reisende.
Im Jahr 1863 ersuchten die Gemeinden Braunhirschen, Rustendorf und Reindorf sich zu einer Gemeinde vereinigen zu dürfen. Diesem Gesuch wurde stattgegeben. Zu Ehren des Kronprinzen Rudolfs erhielt der neue Ort den Namen Rudolfsheim.

Im Jahr 1938 entstand durch die Zusammenlegung der damaligen Bezirke 14 (Rudolfsheim) und 15 (Fünfhaus) der heutige 15. Gemeindebezirk. Die Zahl 14 ging auf den von Hietzing abgetrennten und neu gebildeten Bezirk Penzing über.
Der Bezirk, der seit 1957 den Doppelnamen trägt, umfasst 3,87 km² und zählt etwa 70.800 Einwohner (2008).
Der heutige 15. Bezirk, der auch den ehemaligen Exerzierplatz auf der Schmelz umfasst, wurde erst im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert dicht verbaut.

 

An öffentlichen Gebäuden sind der Westbahnhof, die Stadthalle, das Stadthallenbad, das Kaiserin-Elisabeth-Spital und das Universitätssportzentrum auf der Schmelz zu erwähnen.

Im 15. Bezirk befinden sich zahlreiche Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, u.a. der Eberthof (1925/26), der Vogelweidhof (1926/27), der Käthe-Königstetter-Hof (1932/33), die Wohn- hausanlage auf der Schmelz, die Wohnanlagen Braunhirschengasse (1975-78), „Wohnen morgen“ (Wilhelm Holzbauer, 1976), das Wohnhaus Nobilegasse (Friedrich Kurrent, 1983-1987), sowie der einzigartige Heimhof (1921-1923).

Rudolfsheim-Fünfhaus ist ein typischer Arbeiterbezirk mit zahlreichen Gewerbe- und Industriebetrieben und aufgrund seiner Geschichte eng mit der österreichischen Arbeiter- bewegung verbunden. So wurde etwa am 15. Dezember 1867 in Schwenders Kolosseum auf der Mariahilfer Straße der erste Wiener Arbeiterbildungsverein gegründet, und bei einer Mitgliederversammlung des Vereins in Zobels Bierhalle, die sich im Bereich der heutigen Gasgasse befand, trug ein Jahr später ein Arbeiterchor erstmals das Lied der Arbeit vor.

Das Volkshaus der Bezirksorganisation Rudolfsheim befand sich einst in der Rustengasse 9. Die Erhöhung des Mitgliedsbeitrages von 40 auf 50 Groschen bildete die finanzielle Basis dafür, dass das einstige Fiakerhaus 1928 aus einer Verlassenschaft erworben und von Heinrich Vana umgebaut werden konnte. Aus der ehemaligen Wagenremise wurde ein Saal, die Wohnung im ersten Stock und die übrigen Räume wurden für die Arbeit des Bezirkssekretariats und verschiedner sozialdemokratischer Organisationen umgestaltet. Im Rudolfsheimer Volkshaus leitete Karl Czernetz eine „marxistische Arbeitsgemeinschaft“ für arbeitslose Jugendliche. 1934 wurde das Haus beschlagnahmt und zuerst von der „Heimwehr“, dann von der „Vaterländischen Front“ benützt. Die Gestapo schanzte es schließlich einem Privaten zu. 1945 konnte die SPÖ-Rudolfsheim das Haus zwar wieder übernehmen, musste es allerdings auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht mit der KPÖ teilen. Da der Zustand des Gebäudes bereits sehr schlecht war, übersiedelte das Bezirkssekretariat 1976 in die neuen Räumlichkeiten in der Schwendergasse 41. Anstelle des abbruchreifen Volkshauses wurde der Anton-Matourek-Hof errichtet.

Das Bezirkssekretariat der SDAP-Fünfhaus befand sich bis zum Februar 1934 in einem dem Konsum – der übrigens auch im heutigen 15. Bezirk entstanden ist! – gehörenden Gebäude in der Robert-Hamerling-Gasse 7. Ein weiteres Lokal, das von den Fünfhauser Sozialdemokraten häufig für Veranstaltungen benützt wurde, befand sich in der Turnergasse 9, das bis 1938 auch der tschechischen Minderheit als Versammlungsort diente. Nach 1934 wurde im Rahmen der Konsumgenossenschaft ein Klub gebildet, in dem sich ehemalige sozialistische Jungfunktionäre und Rote Falken des Bezirks zur illegalen Arbeit trafen. Ab 1937 fanden sie bei den „Bergfreunden“ in der Diefenbachgasse 36 einen neuen Unterschlupt. Später kamen sie in einem Lokal der Abstinentenorganisation „Guttempler“ zusammen, in der zwei Gruppen von illegalen Sozialisten weiter wirkten: „Eintracht“ aus Rudolfsheim und „Hochland“ aus Fünfhaus. Aus diesem Kreis gingen 1945 die Gründungsfunktionäre der Sozialistischen Jugend von Rudolfsheim und Fünfhaus hervor.

Besonders aktiv im Widerstand gegen das NS-Regime waren mehrere illegale Gruppen am Westbahnhof und im Betriebsbahnhof Rudolfsheim der Wiener Verkehrsbetriebe. In der Schwendergasse 51 erinnert heute eine Gedenktafel an den am 8. November 1944 hingerichteten Straßenbahner und Widerstandskämpfer Johann Gärtner.

Im Gebäude des Westbahnhofes wurde im Jahr 1988 eine Gedenktafel für jene Gestapo-Häftlinge enthüllt, die mit dem sogenannten „Prominententransport“ nach Dachau deportiert wurden.

Das erste Bezirkssekretariat, dar nach Ende der NS-Herrschaft wiedergegründeten Bezirksorganisation Fünfhaus, befand sich in der Hütteldorfer Straße 5. Das ehemalige Gewerkschaftslokal war im Februar 1934 von den Austrofaschisten und 1938 von den Nationalsozialisten in Beschlag genommen worden. Noch während des Einmarsches der Sowjettruppen im April 1945 übernahmen die in einer illegalen Gruppe organisierten Sozialisten Ernst Richter und Josef Staribacher das Lokal. Bald darauf wurde die Fünfhauser Bevölkerung durch Flugblätter darüber informiert, dass ab dem 23. April im neuen Sekretariat Mitglieder aufgenommen würden.

1948 errichtete der Fünfhauser Verein „Sozialistenheim“ gemeinsam mit dem „Verein Wiener Arbeiterheime“ unter der Leitung von Leo Mistinger in der ehemaligen Schule in der Hackengasse 13, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingslager und später als Lagerhaus gedient hatte, das „Sozialistenheim“, in dem das Bezirkssekretariat der SPÖ-Fünfhaus, einige Sektionen und verschiedene sozialistische Organisationen untergebracht waren und ein großer Festsaal für Veranstaltungen zur Verfügung stand.

Ab März 1976 befand sich das Bezirkssekretariat der SPÖ-Rudolfsheim-Fünfhaus im Karl-Holoubek-Hof in der Schwendergasse 41. Einst stand hier ein herrschaftliches Landhaus, das einem Kammerherren Maria Theresias gehörte und später zu einem bekannten Einkehrgasthaus wurde. 1968 abgetragen, wurde an seiner Stelle das neue Haus der Begegnung errichtet.

Im Jahr 2005 erfolgte der Umzug der Bezirksorganisation in die Räumlichkeiten in der Johnstraße.

Seit April 1946 gehörten sämtliche Bezirksvorsteher des 15. Bezirks der SPÖ an:

Heinrich Hajek (1946 bis 1963)

Leopold Mistinger (1963 bis 1968)

Maximilian Eder (1968 bis 1985)

Kurt Menger (1985 bis 1990)

Friedrich Krammer (1990 bis 1996)

Rolf Huber (1996 bis 2003)

Walter Braun (2003 bis 2008)

Gerhard Zatlokal (seit 2008)